Die Geschichte von Baaßen

von Michael Hermann

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Bleistiftzeichnung der Baaßner Kirdchenburg

Baaßen liegt in einem südlichen Seitental der Kleinen Kokel, den meisten Kennern auch Gemeinde in einer idyllischen Berglandschaft im Zwischenkokelgebiet bekannt.

Diese ehemalige sächsische Gemeinde liegt ca. 15 km nordwestlich von Mediasch entfernt. Folgt man von hier der Nationalstraße über Kleinblasendorf in Richtung Sankt Martin (Tarnaveni), kann man bei der Abbiegung in die Kreisstraße 142B nach einigen Minuten die 5 km weit entfernte Ortschaft - Baaßen erreichen.

Das herzförmige Kesseltal, umrandet von einer saftigen Waldvegetation und einstigen Weinbergen, ist heute eine Idylle der Imker, besonders durch die inzwischen stark wuchernden Akazienwälder. Aber trotzdem kann Baaßen durch seine Besonderheiten seinem einstigen guten Ruf weiterhin treu bleiben. So lange noch Erdgas aus dem Boden entnommen werden kann; so lange im Bach noch reichliches Salz / Iod / Bromwasser teilweise unbenutzt weiterfließt und Kur Anwendungen in den Bädern erfolgreich ihre Wirkung zeigen etc. , wird Baaßen, immer noch als eine Perle Siebenbürgens bezeichnet werden können, wenn auch diese Glanzseiten schon seit längerer Zeit nicht mehr poliert werden.

Baaßen ist eine der ältesten Ansiedlungen im Zwischenkokelgebiet und seine erste offizielle Datierung geht auf das Jahr 1302 zurück.
Drei verschiedene alte Sagen aus dem Baaßner Volksmund entnommen, berichten über die Entstehung und Grundsteinlegung dieser Gemeinde. Was daran wahr ist kann man heute nicht mehr bestätigen. Was uns erhalten geblieben ist, steht in einer Chronik aus der zwei jährigen Regentschaft des ungarischen Königs Stefan V. (1270-1272). Darin bestätigt er, die Schenkung dieser Gemeinde an den Comes Bozouch, Sohn des Grafen Inok. Graf Bozouchs Ehe blieb kinderlos und so verschenkte er die Gemeinde „Bozna“ (lat. Benennung) vor seinem Tod dem Weißenburger Kapitel. Diese Ortsbenennung taucht auch weiterhin in verschiedenen Urkunden auf, wird aber im Laufe der Jahrhunderte immer wieder auf´s neue geändert. Schon 1359 heißt die Ortschaft „Bazna“; weiterhin um 1563-1591 wird es als „Basnen“ erwähnt und erst ab 1782 trägt Baaßen den aktuellen Namen „Baaßen“. Ob es an der Niederschreibung der Plebane, der Pfarrer oder der Prediger lag, ist uns heute nicht bekannt. Die offizielle ungarische Bezeichnung Baaßens „Felsöbajom“ ist im Zusammenhang mit „Alsobajom“, dem Namen der Nachbargemeinde Bonnesdorf, zu sehen. „Felsö….“ bedeutet auf deutsch „Ober….“ und „Also..“ heißt so viel wie „Unter..“. Was „bajom“ bedeutet ist nicht definiert. Gab es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Ortschaften so wie es in einer Sage erwähnt wird? Waren Bonnesdorf und Baaßen irgendwann eine geschlossene Siedlung? Es könnte so gewesen sein, da Bonnesdorf (lateinisch „Villa boneti“) nur sieben Jahre nach der ersten Erwähnung Baaßens (1302) auch schon 1309 datiert wurde.
Zur rechtlichen Stellung der Gemeinde kann gesagt werden, dass Baaßen erstmals eine hörige Gemeinde auf ungarischem Komitatsboden war. Wann sich diese Lage geändert hat, geht aus keiner Chronik hervor, denn 1359 war Baaßen eine freie Gemeinde.

Im Mai 1328 reisten Johann Henrici, Plebanus (Pfarrer) in Großpold und Johann Henrigi, Plebanus in Baaßen, im Auftrag der Kapitel Unterwald, Keisd, Kosd, Bogeschdorf, Bulkesch, Laßeln und Mediasch zum Papst nach Avignon, um gegen den Bischof von Weißenburg wegen Zehntansprüche, Abgaben, Nachlass und anderen mannigfaltigen Rechtsverletzungen zu klagen. Dass dieser Pfarrer diesen weiten Weg auf sich nahm, um gegen den Bischof zu klagen, lässt vermuten, dass Baaßen damals schon eine freie Gemeinde war. Im Hattertstreit zwischen Baaßen und Wölz erscheinen beide Siedlungen 1359 schon als freie Gemeinden des Mediascher Stuhles. Es gab auch weiterhin immer wieder neue Klagen, Hattert Vermessungen und Gerichtsverhandlungen zwischen diesen drei Gemeinden, Baaßen, Bonnesdorf und Wölz, so wie in den Jahren 1372, 1412, 1415, 1479 und 1588. Erst im Jahr 1850 konnte dieser Grenzstreit endgültig beigelegt werden.

Auch handwerklich wird uns bekannt gegeben, dass 1484 in Hermannstadt zwei Baaßner Lehrlinge „Merten und Peter“ ihr Schusterhandwerk erlernen.
Aus kirchenrechtlicher Sicht gehörte Baaßen zum Bulkescher Kapitel. An der Spitze des Kapitels zu welchem mehrere Gemeinden gehörten, stand ein von den Gemeindepfarrern frei gewählter Dechant. Neben seinen inneren Aufgaben, versuchte er auch immer öfter die Rechte dieser Gemeinden, besonders gegenüber dem Weißenburger Bischof und seinen ihm unterstehenden Archidiakonen, zu verteidigen.
Sichtbares Zeichen der Wehrtätigkeit der Gemeinde ist bis heute allein die Kirchenburg übrig geblieben. Diese imposante Baaßner Kirchenburg liegt im nördlichen Teil der Gemeinde, auf einer steil abfallenden Bergspitze und ist in ihrer aktuellen Gestalt ein gotischer Bau aus dem 14 / 15 Jahrhundert. Es ist nicht bekannt wann mit ihrem Bau begonnen wurde. Da die Gemeinde schon 1270 bestand kann man davon ausgehen, dass sie schon in der ersten Hälfte des 14 Jahrhunderts eine aus festem Mauerwerk bestehende Kirche erbauten. Daran erinnern die zwei Sitznischen und die Sakramentsnische an der Nordwand des Chores, die in einer schönen spätgotischen Steinmetzarbeit den auferstandenen Heiland und die Zahl 1504 darstellen.

Diverse Bauteile und Jahreszahlen lassen vermuten, dass die Kirche in einem romanischen Baustil gebaut wurde und Ende des 15 Jahrhunderts zu einer spätgotischen Hallenkirche, mit über drei Stockwerke angelegten Verteidigungsgängen und Lagerungsräumen, umgebaut wurde. Die alte Jahreszahl „1504“ über dem Triumphbogen bestätigt diesen Bauabschnitt.
Weiterhin wurden in den darauf folgenden Jahrhunderten, immer wieder Umbau – Renovierung und Ausstattungsarbeiten durchgeführt, von denen einige sehr erwähnenswert sind.
So wurde im 18 Jahrhundert, die vormals vorhanden Holzdecke abgetragen und durch eine neue Netzgewölbedecke ersetzt.

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  • 1503 Entstehung des fünfsitzigen Pfarrgestühls das zu den ältesten in Siebenbürgen zählt.
  • 1550 - 1560 Reformation in Baaßen
  • 1768 wurden das Kirchendach neu gedeckt und für den Chorturm wurden zwei neue Kupfer Knöpfe in Hermannstadt anfertigen lassen.
  • 1791 wurde vom Mediascher Daniel Petersberger der Altar angefertigt
  • 1757 wird die wunderschöne Barockorgel vom Hermannstädter Johannes Hahn aufgestellt. „ Der Grundbestand der Orgel stammt aus dem 17. Jahrhundert“. „Bewertet man das Alter des klingenden Pfeifenwerkes, so ist es die älteste „spielbare“ Orgel der evangelischen Landeskirche“, schreibt der Orgelbauer Hermann Binder in seinem Buch „Orgeln in Siebenbürgen“ über dieses Baaßner Kircheninstrument.

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  • 1781 Anfertigung der Barockkanzel im Auftrag von Georg Schuller. 1867 wurde sie von der Nordseite auf die Südseite versetzt um Platz zu schaffen, für den Anbau einer neuen Galerie.
  • 1801 erste Konfirmation in Baaßen mit 9 Kindern.
  • 1867 wurde die Nord Empore (Männerempore) durch Sebastian Kahle erbaut. Auch sein Vorschlag den unebenen alten Ziegelfußboden, durch einen neuen Bretter Fußboden zu erneuern wurde angenommen und von ihm ausgeführt.
  • 1887 der Taufstein ist eine Kreation des Mediascher Steinmetz A.Klingenspor und war eine Spende des Frauenvereins. Bis 1766 stand der alte Taufstein links unter der Orgelempore. Pf. Andreas Caspari ließ ihn im Chorraum aufstellen wo seine Tochter Anna Catharina am 19. Mai als erste getauft wurde.
  • 1896 erklärte man den Wehrgang im Chorturm als unbrauchbar und im Rahmen dieser Renovierungsarbeiten wurde er abgetragen und der Dachstuhl auf die Mauer gesetzt.
  • 1903 Höhepunkt der Auswanderung nach Amerika. 31 männliche Baaßner verlassen das Dorf.
  • 1924 wurden nach neu entstandenen Rissen im Gewölbe, erneute Konsolidierungsarbeiten durchgeführt. Es wurde beraten: die Südseite auf ein solides Betonfundament zu setzten und die Kirchenwände durch Schlissen (Spannanker) zu sicheren. Die Arbeiten wurden von Ing. Stefan v. Sillo geleitet und durchgeführt. Bei diesen Arbeiten entdeckte man wertvolle Fresken, die aber wieder übermalt wurden, um die Hauptarbeiten nicht abzubremsen, da die Erforschung der Fresken doch viele wertvolle Zeit gekostet hätte.

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Haupteingang zur Bassner Kirchenburg

Die Baaßner Burg gilt bei den Besuchern, als eine der meist fotografierten Burgen Siebenbürgens. Dabei spielen sicherlich auch andere Sehenswürdigkeiten und Bekanntmachungen dieser Ortschaft eine prägende Rolle.
Im Baaßner Glockenturm (gleichzeitig Torturm) sind sehr wertvolle Glocken noch aus vorreformatorischen Zeiten erhalten. Dank des Pfarrers Friedrich Soterius v. Schachsenheim (Amtszeit in Baaßen 1900-1927) wurden aus Baaßen keine Glocken für die ersten Weltkriegsausrüstung hergenommen.
Die größte Glocke, eine Wetterglocke, ist dem Heiligen Nikolaus geweiht und trägt eine lateinische sehr abgehackte Majuskelinschrift. Sie wurde in einer Schäßburger Glockengießerei in der ersten Hälfte des 15 Jahrhunderts gegossen.
Die mittlere Glocke, ist 1455 datiert und trägt die Minuskelinschrift „ o rex glorie veni cum pace anno domini moccclvo. (O König der Herrlichkeit, komme mit Frieden im Jahr des Herrn 1455).
Die kleine Glocke, aber die älteste, wird auf Ende des 14 Jahrhunderts datiert (1395) und trägt eine Majuskelinschrift „O REX GLORIE VENI“ (O König der Herrlichkeit, komm).
Das Schulglöckchen, trägt eine Datierung am Glockenjoch von 1785.

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Frontansicht der Baassner Kirchenburg

Zum Gesamtbild dieses Anwesens darf sicherlich das schöne Pfarrhaus nicht fehlen. Es ist ein Bauwerk des Mediascher Ing. v. Steinbach und des Meisters Mahrhofer die 1813 die Fertigstellung dieses Hauses übergaben.

Über die Bevölkerung aus den ersten Gründungsjahren sind uns keine Daten überliefert worden. Erst 1516 gab es in Baaßen 82 Wirte, 3 Witwen, 2 Hirten und einen Schulmeister. Schätzungsweise kann die Zahl der Einwohner damals um die 400 bis 500 Personen gewesen sein.
Bei einer erneuten Zählung von 1723 werden 60 sächsische, 16 walachische (das Wort „Rumänen „war zu der Zeit nicht bekannt) 4 Handwerker und 16 „Exempti“( sind aus Leibeigenschaft entlassene Walachen) gezählt; 1850 waren es 709; 1901 waren es 1000; 1922 waren es 1.185; 1939 waren es 1.364 und 1942 sind es durch die Wirren des Krieges noch 1.219 damit sind in all diesen Datierungen nur die evangelischen Einwohner gemeint.
1970 sind es 1.057; 1980 waren es 979; 2000 noch 32 und 2022 noch 15 evangelische Bürger.

Der zweite Weltkrieg, die Deportation zur Zwangsarbeit nach Russland, führten viele deutschstämmige Baaßner Männer und Frauen in die Fremde. Für viele wurde die Heimkehr beschwerlich und so verblieben die meisten für immer in Deutschland oder in Österreich. Und so verließen im Rahmen der Familienzusammenführung die meisten (fast alle) die alte Heimat.

Die rumänische Bevölkerung der Gemeinde bleibt in dieser Darstellung weitgehend unberücksichtigt – nicht da sie keine Rolle in der Geschichte der Gemeinde gespielt haben mag, sondern viel mehr, da keine genauen Angaben und nähere Datierungen existierten. Erst 1760 gibt es eine Liste, in der „Bausznen“(der damalige Ortsnamen) eine Statistik hergab, in der 31 rumänische Familien aufgenommen wurden. Ob dabei auch die Zigeuner waren, ist nicht bekannt, aber angenommen. Erste schriftliche Angaben zu diesen Bevölkerungsgruppen, werden uns erst ab 1865 überliefert.

Baaßen erreichte im Laufe der Jahrhunderte, durch mehrere Gegebenheiten eine gewisse Berühmtheit, die sich sogar über die Landesgrenze hinaus bemerkbar gemacht hat.

Schon 1672 berichtete der Sachsengraf, Valentin Frank v. Frankenstein (1643-1697) in einer poetischen Beschreibung die Sage vom „Hirtenfeuer und dem brennende Wasser“. Graf Ferdinand Marsigli erwähnte die Baaßner Quellen schon Ende des 17 Jahrhunderts in seinem Werk „Geschichte der Donau“. Weiterhin berichten auch die Fachschriften „Sukkows Naturlehre“ und Rudolf Rothens „Memorablia Europae“ über dieses Wasser.
Auch dem damalige Ortspfarrer Andreas Caspari (Amtzeit 1762-1779) liegen diese Ereignisse sehr nah und das ganze Geschehen verfasste er in seiner Beschreibung von 1776 „Das Baaßner Bethesda“. Hier nennt und beschreibt er, die noch etwas sehr primitiven damaligen Kurbehandlungen, sowie den Verlauf der damaligen Wasserbäder und auch die aufgetragene „Lette“ (Moor) auf die Schaden leidenden Körperteile. Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts begann man das Wasser auf seine Zusammensetzung und „Brennfähigkeit“ wissenschaftlich zu analysieren. Es stellte sich heraus, dass einerseits die Brennbarkeit von einem großen Erdgasvorkommen verursacht wird und andererseits dass, das ausströmende Quellenwasser reichliche heilbare Mineralien enthält. Dass, ein reichliches Erdgasvorkommen ein wichtiger Faktor in der etwas späteren Geschichte Baaßens werden sollte, war damals noch keinem so richtig bewusst. Es sollte doch noch eine längere Zeit dauern, bis man den Wert dieses „Brennenden Elementes“ kennen lernte.
Da nun inzwischen das vorliegende analysierte Wasser, sehr gute heilende Qualitäten hergab und der über Jahrzehnte „ heilende, gute und wohlbegründete Ruf der Heilquellen“ bekannt war, stand den medizinischen Fachbehörden nichts mehr im Wege diese 5 besonderen Heilquellen öffentlich zu ernennen und bekannt zu machen. So konnte am 14. August 1843 im Rahmen einer Festlichkeit der Grundstein für diese Heilanstalt gelegt werden. Die fünf Taufpaten der Heilquellen, kamen aus Reihen des Mediascher und Baaßner Adels. Diese Namen sind den Kennern bis heute bekannt: die Bethesdaquelle, die Ehrlichquelle, die Merkelquelle, die Ferdinandquelle und die Felsenquelle. Sie spenden heute noch wertvolle und heilbare Tropfen….nur leider, werden sie heute viel zu wenig geschätzt.
Schon bald erreichte dieses Heilbad eine hohe Besucherquote und die Bekanntmachung brachte bemerkenswerte Gäste aus dem In- und Ausland in diese neue Kuranstalt. Erstmal wurde organisatorisch gesehen, eine Aktiengesellschaft gegründet, die aber 1877 von einer Mediascher Pächterfamilie (Karl Breckner) übernommen wurde, die bis 1904 der Gemeinde gegenüber, viel Leid und wenig Gewinn einbrachte. Dank der außerordentlichen Bemühungen des Ortspfarrers Friedrich Soterius von Sachsenheim, wurde 1905 das Bad von der Kirchengemeinde Baaßen übernommen. Schon bald zeigte sich diese Übernahme als eine erfreuliche Einnahmequelle der Gemeinde und es konnten verschieden Projekte verwirklicht werden. Einiges davon ist erwähnenswert so z.B.: ein Inhalatorium, ein Luftbad durch neue Tannenwaldbepflanzung, 3 große Wassersammelbecken, ein Tennisplatz, eine Trinkwasserleitung, ein asphaltierter Gehsteig im ganzen Dorf, eine Apotheke und etwas später (1939) eines der schönsten erbauten Gemeindehäuser der Region, etc.

Nach der Enteignung von 1946 wurde das Bad unter staatlicher Aufsicht weitergeführt, bis zur großen politischen Wende von 1990. Eine Zeit in der vieles heruntergewirtschaftet wurde, so dass diese Kuranstalt viel an Bedeutung verloren hat. In den letzten Jahren wurden zwei neue moderne Hotels und Badeanlagen gebaut, die Kurgäste und Besucher von nah und fern gerne zur Behandlung und Übernachtung einladen können.
Auch die Existenz vom Erdgasvorkommen, wurde immer aktueller und man überließ nichts dem Zufall. Der unermüdliche Einsatz Pfarrer Sachsenheims, war ein bewegender Punkt in der Geschichte des Baaßner Erdgases. So konnte bald mit den Tiefbohrungen in der „Salzau“ begonnen werden und am 13. August 1912 erreichte die Bohrung den Gasherd. Unter starkem Druck und mit außergewöhnlichem Brausen strömte das Erdgas ins Freie, täglich etwas 15.000 Kubikm. sollen entwichen sein. Glückwünsche zu diesem Gelingen kamen aus vielen Ortschaften aus dem In- und Ausland. Der Gemeinde wurde ein Verbrauch von 1.000 Kubikm. Gas pro Tag zum Selbstkostenpreis zugesagt. Das förderte und verbesserte die Heizung und Beleuchtungsmöglichkeiten so rapide, dass schon nach den ersten 5 Jahren fast alle öffentlichen Gebäude und teilweise auch Privathäuser sowie fast alle Straßen, diesen Luxus besaßen. Es war und ist bis heute noch, ein enormer wirtschaftlicher Fortschritt für das ganze Dorf. Die Natur wollte auch ihren Tribut und ließ bei der dritten Bohrung in der „Schäf-Au“, den Bohrmeistern eine offene und ungelöste Rechnung, gegen die sich niemand stellen konnte. Am 16. August 1914 versanken alle Mechanismen samt Bohrturm und das entstanden Erdloch füllte sich mit Salzwasser. So hatte nun Baaßen noch eine zusätzliche Attraktion einen „Krater“, der von vielen Badegästen besichtigt wurde, da seine ausströmenden Gasblasen noch bis in die 90er Jahre an der Wasserfläche blubberten. Heute gibt es diesen Krater nicht mehr, da er in den letzten Jahren eingeebnet wurde.
Als in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts (1870) in Siebenbürgen die Eisenbahn ins Leben gerufen wurde, kamen auch in den Baaßner Kurort, oft auch Fremde und unauffällige Menschen. Unter ihnen war auch ein englischer Eisenbahnbauingenieur, der seine Freizeit oft hier in Gesellschaft des Bad Verwalters Michael Ehrlich verbrachte. Hier bekam er einen Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse dieses Dorfes, so auch in die damalige Schweinezucht die anscheinend nicht optimal war.
Nach England heimgekehrt, schickte er an Michael Ehrlich eine Sau und einen Eber der schnellwüchsigen Berkshire-Rasse. Die Sau überlebte den weiten Weg nicht. Durch die Paarung des Ebers mit der damaligen fettreichen Mangalicza-Rasse, entstand ein neuer Schweinetyp der wuchs-freudiger, in der Fleisch und Fettleistung ausgeglichener war, in der Vermehrung besser war und schon bald sprach man vom „Baaßner Schwein“. Die Erkennungsmarke dieser Rasse ist der schwarze Körper und der weiße über die Schultern und Vorderbeine gezogene Ring. Zur Bekanntmachung der neuen Rasse waren die vielen organisierten landwirtschaftlichen Visitationen an Ort und Stelle in Baaßen, sowie die baldige Züchtung und Präsentationen der neuen Rasse in der Mediascher Ackerbauschule. Das Baaßner Schwein wird auch heute noch von Liebhabern und Genießern für seine exzellente Fleisch und Speck Qualität gezüchtet, kann aber in den aktuellen großen Fleischhallen, wo das Fleisch aus Massenzüchtung herkommt nicht mithalten.
Diese Schweinerasse ist eng verbunden, mit dem in Deutschland sehr geschätztem und gezüchteten „Schwäbisch Hällischen Schwein“.

Schon 1946 bei der Übergabe der kirchlichen Schulen und anderen Institutionen an den rumänischen Staat, beschäftigte es unter anderem die evangelischen sächsischen Gemeinden: das Fehlen der ausgebildeten Organisten, Chorleiter, etc.. Die Lehrer waren nicht mehr verpflichtet diese Aufgabe zu übernehmen. Die Einberufung junger Männer zum Heeresdienst und anschließend die Deportation in die Sowjetunion, hatten diese Frage nach ausgebildeten Organisten noch wichtiger werden lassen.
Angesichts dieser Not, machte Pfarrer Ernst Helmut Chrestel dem Landeskonsistorium den Vorschlag, in Baaßen eine Kantorenschule zu eröffnen. Am 29. Januar 1956 konnte man die Bekanntmachung wahr machen und am 8. Oktober 1956 fanden die Aufnahmeprüfungen statt. Es wurden 15 Plätze vom Staat genehmigt und am 7. November 1956 im Rahmen des Gottesdienstes fand die Eröffnung nach einer Abendmahlfeier statt. Folgende Fächer wurden unterrichtet: Orgelspiel, Klavierspiel, Chorleitung, Choralsingen, Choralkunde, Katechetik, Liturgik, Stimmbildung, Harmonielehre, Geschichte der Kirchenmusik und Orgelbau im 2. Jahr.
Geprobt wurde auf den vorhandenen Instrumenten in Baaßen, Wölz und Bonnesdorf.
Nach der Übersiedlung der Pfarrfamilie Chrestel im Jahr 1964, wurde die Kantorenschule in Almen in gleicher Regie weiter geführt.

Heute leben die ausgewanderten Baaßner zerstreut in Deutschland, ohne das eine Gegend oder eine Stadt ihr „Zentrum“ genannt werden kann. Das Gefühl auch weiter als Gemeinde zusammen zu gehören, weckte den Gedanken eine Heimatortsgemeinschaft (HOG Baaßen) zu gründen. Bei einem zweiten „Baaßner Treffen“ am 4 /5 Mai 1990 in Gomadingen war es dann so weit. Heinz Umling übernahm den Vorstand, den er bis 2006 geleitet hat. Ab daher übernahm Michael Hermann in Dinkelsbühl die Leitung der HOG Baaßen e.V., bis zu seiner Abgabe am 9.4.2022. Seit diesem Datum ist Christel Hermann die aktuelle Leiterin dieser Heimatortsgemeinschaft.

Wie es sich in den letzten Jahrzehnten herausstellen ließ, ist und bleibt die Heimatortsgemeinschaft der wichtigste Unterstützter um das Erbe unserer Vorfahren und der schönen Baaßner Kultur zu erhalten. Danke für die reichlichen Spenden und Unterstützung. Danke an diese sehr heimatliche verbundene Gemeinschaft, ohne die unser Baaßen sicherlich viel schneller zerbröckeln würde.


Literaturnachweis

  • Reinhold Schullerus - „Geschichte einer sächsischen Gemeinde in Siebenbürgen“
  • Christian Agnethler - Hompage
  • Martin Rill - „Einblicke ins Zwischekokelgebiet“
  • Michael Hermann, Christel Hermann, Hans-Jürgen Sifft (Hnr. 77) - Fotografie
  • Friedrich Soterius v. Sachsenheim - „Heilbad Baaaßen“
  • Friedrich Soterius v. Sachsenheim und Dr. Rudolf Eisenmenger - „Führer durch Baaßen“